
Die Barrierefunktion des Darms wird durch die schützende Darmflora, die schleimige Mukusschicht und die Darmschleimhaut gewährleistet. Eine intakte Darmschleimhaut bildet hierbei die Basis des darmassoziierten Immunsystems. Sie transportiert Nährstoffe in den Körper, ermöglicht die Sekretion von Enzymen und Transportproteinen für die Verdauung, wehrt Schadstoffe ab und schützt das Immunsystem. Nur wenn Darmschleimhaut und Mukusschicht, die wichtige Antikörper (sekretorisches IgA) enthält, eine geschlossene Einheit bilden, kann sich auch die Darmflora ansiedeln. Daher steht bei vielen Erkrankungen (z.B. Reizdarmsyndrom, entzündliche Darmerkrankungen, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Allergien und Neurodermitis) die Regeneration der Darmschleimhaut an erster Stelle – z.B. mit Stoffwechselprodukten vom E. coli Stamm Laves (Colibiogen® oral, Synerga®). Ist die Barrierefunktion wieder hergestellt, muss jedoch häufig in einem nächsten Schritt auch die gastrointestinale Mikrobiota wieder in ein Gleichgewicht gebracht werden.
Bei der intestinalen Mikrobiota handelt es sich um ein komplexes und dynamisches Ökosystem mit einer Gesamtanzahl von schätzungsweise 1014 Mikroorganismen, die hauptsächlich aus Bakterien, aber auch aus Archaeen, Viren, Hefen und Protozoen bestehen. Die Artenvielfalt der intestinalen Mikrobiota ist groß und die Zusammensetzung der Darmflora variiert von Individuum zu Individuum, wobei sich die Zusammensetzung und Dichte der Bakterien je nach Lebensalter und Abschnitt im Gastrointestinaltrakt unterscheiden. Sie hängt darüber hinaus von vielen Faktoren (z.B. Art der Nahrung, Schlaf, Stress, Hygiene und Umwelt) ab, die alle – auch temporär – die Zusammensetzung der Darmmikrobiota verändern können.
Die meisten menschlichen Darmbakterien gehören zu vier Bakterienstämmen:
Zu den häufigsten Bakterien im menschlichen Darm zählen anaerobe Bacteroides, Eubacterium und Bifidobacterium. Sie gehören neben Laktobakterien zu den „nützlichen“ Bakterien, da sie die Verdauungsfunktion unterstützen und eine Vielzahl von Aufgaben erfüllen. Sie übernehmen z.B. wichtige Funktionen für das Immunsystem (Immunmodulation und -stimulation) und bieten Schutz vor Ansiedlung sowie Vermehrung von Krankheitserregern. Neben dieser wichtigen Funktion für das Immunsystem unterstützt die Darmflora die Verdauung und regt die Darmmotilität an, dient der Vitaminversorgung undliefert der Darmschleimhaut Energie.
Neben den „nützlichen“ Bakterien können sich auch krankheitserregende Bakterien wie Clostridien, Kolibakterien, Salmonellen, Shigellen oder Cholerabakterien im Darm einnisten und Infektionen im Magen-Darm-Trakt auslösen. Darüber hinaus können sie die Darmbarriere angreifen, Toxine bilden und entzündliche Prozesse fördern.
Zwar werden Kolibakterien häufig mit schweren Durchfallerkrankungen in Verbindung gebracht, aber dennoch erfüllen die apathogenen E. coli als Bestandteil der Darmmikrobiota wichtige Aufgaben. Sie sind an der Zersetzung von Proteinen und Kohlenhydraten sowie an der Produktion von kurzkettigen Fettsäuren im Darm beteiligt. Darüber hinaus erfüllen E. colis eine wichtige Funktion im Rahmen der Abwehr von Krankheitserregern im Dickdarm und sind durch ihre antigenwirksamen Zellwandbestandteile (Lipopolysaccharide, LPS) in der Lage, das darmassoziierte Immunsystem zu trainieren.
Alle Darmbakterien stehen im Idealfall in einem angemessenen Verhältnis zueinander. Verschiedene Faktoren können das bewährte mikroökologische Gleichgewicht jedoch stören und zu einer Dysbiose führen. Dazu zählen ungesunde Ernährung, Rauchen, Stress, Antibiotika und andere Medikamente (z.B. Cholesterinsenker, Säureblocker, die Antibabypille, Antihistaminika oder Antidepressiva). Pathogene Mikroben, Pilze und Viren, Allergien und Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Umweltfaktoren wie Schwermetallbelastung oder gastroenterologische Erkrankungen (z. B. exokrine Pankreasinsuffizienz) können ebenfalls ein Ungleichgewicht der Darmmikrobiota verursachen.
Typische Symptome einer Dysbiose sind:
Eine Störung der physiologischen Besiedelung mit Mikroorganismen gilt als mögliche Ursache vieler Krankheiten. Dazu zählen u.a. Autoimmunerkrankungen, Allergien, Neurodermitis und rezidivierende Infekte. Untersucht wird auch ein Zusammenhang mit dem Reizdarmsyndrom, infektiösen Durchfallerkrankungen oder chronischen Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts wie Colon irritabile, Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa, Infektionen mit Helicobacter pylori sowie Dyspepsien oder Motilitätsstörungen. Bei den oben genannten Symptomen ist daher ein Blick auf die Zusammensetzung der intestinalen Mikrobiota angezeigt.
Die milchsäurebildenden Bifido- und Laktobakterien sind grampositive Anaerobier, die keine Sporen bilden. Ihnen kommt eine besondere Bedeutung zu: Sie greifen zur Energiegewinnung auf Kohlenhydrate zurück, die sie ohne Sauerstoff abbauen. Dabei produzieren sie Milchsäure und Essigsäure und senken so den pH-Wert ihrer Umgebung im Darm. Milchsäurebakterien vertragen selber das saure Milieu gut und können sich in dieser Umgebung vermehren. Säurelabile Keime werden dadurch gleichzeitig reduziert. Milchsäurebildende Bakterien produzieren Verdauungsenzyme, bilden kurzkettige Fettsäuren und eine Reihe von B-Vitaminen und Vitamin K sowie antibakterielle Stoffe, die ebenfalls die Ansiedelung schädlicher Bakterien im Darm eindämmen. Damit spielen sie eine wichtige Rolle für eine gesunde Verdauungsfunktion des Körpers.
Die Zusammensetzung der Mikrobiota lässt sich mit probiotischen Lebensmitteln, die durch Milchsäuregärung hergestellt werden (z.B. Joghurt, Dickmilch, Quark oder milchsauer vergorenes Gemüse wie Sauerkraut), beeinflussen. Sie enthalten lebende Mikroorganismen wie Laktobazillen und Bifidobakterien. Allerdings reicht es häufig nicht aus, Speisen mit Milchsäurebakterien zu essen, da viele dieser Milchprodukte aus Haltbarkeitsgründen durch Hitze sterilisiert und die lebenden Bakterien dabei abgetötet werden. Außerdem ist eine regelmäßige Aufnahme einer ausreichend hohen Menge probiotischer Mikroorganismen (mindestens 109–1010 lebende Keime pro Tag) erforderlich, um eine gesundheitsfördernde Wirkung zu erzielen. Dies ist über die tägliche Ernährung nicht immer gewährleistet, deshalb kann eine Therapie mit probiotischen Nahrungsergänzungsmitteln oder Arzneimitteln sinnvoll sein. Dabei sollte ein Probiotikum gewählt werden, für dessen Herstellung lebende Bakterienstämme genutzt wurden, die auch unbeschadete den sauren Magen passieren können. Zu bedenken ist ferner, dass probiotische Effekte stammspezifisch sind und nicht auf andere Bakterienstämme derselben Art übertragen werden können. Daher sollte bei der Wahl eines Probiotikums auf die Zusammensetzung der Bakterienstämme geachtet werden.
Das Probiotikum Lactobiogen® enthält eine Kombination aus vier lebenden und hoch effizienten Stämmen von Milchsäurebakterien (Bifidobacterium, BB-12®, Lactobacillus acidophilus, LA-5®, Lactobacillus delbrueckii subsp bulgaricus, LBY-27™ und Streptococcus thermophilus, STY-31™) in hoher Konzentration (4,5 x 109 KBE pro Kapsel). Es fördert die die physiologische Darmflora (z.B. nach Antibiotikatherapie), unterstützt die körpereigene natürliche Abwehr und Verdauung und ist auch bei einer Unverträglichkeit von Ballaststoffen geeignet.
Lactobiogen® enthält keine Präbiotika, da einige Patientinnen und Patienten auf Präbiotika mit gastrointestinalen Beschwerden reagieren. Stattdessen wurde eine Zusammensetzung von synergistisch wirkenden probiotischen Bakterienstämmen gewählt. Lactobiogen® ist damit auch für empfindliche Patientinnen und Patienten geeignet. Die praktische Kapsel erhöht nicht nur die Compliance der Patienten, sondern schützt auch die wertvollen Bakterienkulturen vor der Magensäure, die so unbeschadet an ihren Wirkort – den Darm – gelangen.