Morbus Crohn

Der Morbus Crohn (erstmals 1932 von dem New Yorker Arzt Burill B. Crohn beschrieben) ist nicht auf einen Darmbereich begrenzt und kann alle Abschnitte des Verdauungskanals vom Mund bis zum After betreffen. Typischerweise sind aber die entzündlichen Darmveränderungen im letzten Abschnitt des Dünndarms, am Übergang zum Dickdarm und im ersten Dickdarmabschnitt zu finden. Häufig liegen erkrankte zwischen gesunden Darmabschnitten. Die Entzündung erfasst die gesamte Darmwand.  

Wenn die Erkrankung auf den Dickdarm und Enddarm übergreift, können sich schwer abheilende Fisteln und immer wieder auftretende Abszesse im Analbereich einstellen.

Die entzündlichen Vorgänge verändern diese Gewebestrukturen einschließlich der Darmdrüsen, so dass der Darm zunehmend seine Verdauungsfunktion einbüßt.

Der Morbus Crohn kann in jedem Lebensalter, also auch bereits bei Säuglingen und Kleinkindern auftreten. Meist manifestiert sich die Erkrankung aber im jugendlichen Erwachsenenalter (20 – 40 Jahre).

Ursachen

Den genauen Grund, warum einige Menschen einen Morbus Crohn entwickeln, kennen die Wissenschaftler noch nicht. Es mehren sich aber Hinweise dafür, dass eine genetische Veranlagung, Umweltfaktoren und das Immunsystem an der Entstehung beteiligt sind.

Das Verdauungssystem bildet die Grenzfläche zwischen dem körperinneren und körperäußeren Milieu und ist mit einer großen Anzahl unterschiedlicher Immunzellen ausgestattet.

Diese gehören zu den Abwehrzellen, die das Eindringen schädigender Fremdeiweiße oder anderer Stoffe in das Körperinnere verhindern.

Diese Abwehrzellen sind bei Patienten mit Morbus Crohn in der Darmschleimhaut vermehrt und aktiviert. Sie produzieren zu viele entzündungsfördernde und zu wenige entzündungshemmende Hormone wie z.B. die Cytokine (Botenstoffe).

Insgesamt jedoch geht man davon aus, dass der Morbus Crohn durch mehrere Faktoren ausgelöst wird, man spricht von einem multifaktoriellen Geschehen.

Als gesichert muss angesehen werden, dass Umwelteinflüsse eine Rolle spielen, da der Morbus Crohn an Häufigkeit zunimmt und in den hochtechnisierten Ländern der Welt viel häufiger als in allen anderen Regionen vorkommt. Die Rolle von psychischen Faktoren ist umstritten. Die überwiegende Meinung ist, dass psychische Belastungen zwar einen Schub der bestehenden Erkrankung auslösen können, aber nicht ursächlich für das Entstehen der entzündlichen Darmerkrankung sind.

Symptome

In vielen Fällen entwickelt sich ein Morbus Crohn langsam und macht sehr uncharakteristische Beschwerden. Neben allgemeinen Krankheitszeichen, wie Leistungsabfall, Müdigkeit, Appetitverlust und gelegentlich Fieber, sind die wesentlichen Krankheitszeichen direkt auf den Darm zu beziehen.

Oft kommt es zu durchfallartigen Stühlen, die 10 bis 20-mal pro Tag auftreten können. Bei langer Erkrankungsdauer kann es zu perianalen Fisteln (Analfisten) kommen. Da mit dem Blut stets Eisen verloren geht, fehlt dem Knochenmark das notwendige Eisen zur Blutneubildung. Es entsteht also eine sogenannte Eisenmangelanämie.

Rheuma und Morbus Crohn können sich wechselseitig beeinflussen: eine „rheumatische“ Gelenkentzündung kann als Begleiterkrankung des Morbus Crohn auftreten. Ferner kann es zu Augenentzündungen (insbesondere der Regenbogenhaut und der Bindehaut) sowie Hautveränderungen (schmerzhaften, rötlich verfärbten Läsionen) kommen.

Nahezu jeder zehnte Morbus Crohn-Patient entwickelt Nierensteine (Nephrolithiasis). Eine wesentliche Ursache für dieses Phänomen wird in der gesteigerten Oxalsäureaufnahme durch einen geschädigten Dickdarm gesehen.

Patienten mit Morbus Crohn des Colons (Dickdarms) haben, wenn die Krankheit über viele Jahre besteht (über 10 Jahre), ein erhöhtes Risiko, einen Dickdarmkrebs zu bekommen. Daher sollten sich Patienten mit einem Morbus Crohn des Colons alle 1 – 2 Jahre koloskopisch untersuchen lassen.

Der Krankheitsverlauf ist nicht kontinuierlich. Der Morbus Crohn tritt schubweise auf und ist von mehr oder weniger langen, symptomfreien Intervallen unterbrochen.

 

Therapie

Im Vordergrund steht eine medikamentöse Behandlung: oft lässt sich auf Cortison-Präparate nicht verzichten. Zum Glück klingen die Beschwerden aber auch ohne jegliche Behandlung bei manchen Patienten von allein wieder ab. Mit Rückfällen muss aber jederzeit gerechnet werden.

Eine einheitliche Diät für Morbus Crohn-Patienten ist nicht bekannt. Trotzdem wurden einige Richtlinien für die Ernährung festgesetzt, die dem Patienten helfen, Ernährungsfehler zu vermeiden. Stark blähende Nahrungsmittel gehören nicht auf den Speisezettel des Morbus Crohn-Patienten. Sogenannte pflanzliche Faserstoffe unterstützen jedoch die geregelte Darmfunktion.

  • Den Tagesablauf nach festgesetzten, geregelten Mahlzeiten ausrichten, nicht die Mahlzeiten zwischen Tagesereignisse schieben
  • Langsam essen – ausreichend kauen und einspeicheln
  • Nichts essen, worauf man keinen Appetit hat, kurz vor dem Sättigungsgefühl mit dem Essen aufhören
  • Viel trinken - kein Alkohol
  • Körperliche Aktivität hilft bei der Stressminderung und bei der Anhebung der Stimmung
  • Nahrungsmittel, die beruhigend auf Magen und Darm wirken: Joghurt, geriebene Äpfel, Fenchel, Bananen, Spargel, Preiselbeeren und Heidelbeeren je nach Verträglichkeit
  • Ungünstig: Hülsenfrüchte, hartschaliges Obst, säurereiche Lebensmittel, grob gemahlenes Getreide, stark kohlensäurehaltige Getränke

Die wichtigste Information für die Ärztin oder den Arzt sind die Beschwerden und ihre Auswirkungen auf den Alltag. Es lohnt sich also, ein Wochenprotokoll anfertigen zu lassen mit Angaben über die Stuhlganghäufigkeit, den Stuhlzustand wie hart, weich oder wässrig (Konsistenz), Blutbeimengungen zum Stuhl, Bauchschmerzen, Allgemeinbefinden, Gewicht und Körpertemperatur.

Eine Vorlage für ein solches Wochenprotokoll können Sie sich hier herunterladen.